Die neue Kläranlage, die täglich rund 788 Kubikmeter Abwasser von Steinfeld, Hausen und Waldzell reinigt, wurde am Donnerstag (24.04.2014) offiziell in Betrieb genommen.

Rund 3,75 Millionen Euro hat die Anlage gekostet, die unter modernsten Gesichtspunkten sowie effizienter Energieeinsparung und -gewinnung bei gleichzeitiger Nutzung von Synergieeffekten gebaut wurde, betonten sowohl Bürgermeister Matthias Loschert als auch die Vertreter des verantwortlichen Planungsbüros Baur Consult. Trotz der fortschrittlichen Investition konnte die Gemeinde keine Zuschüsse generieren, bedauerte Loschert. Im Gegenteil, von Seiten der Genehmigungsbehörden seien dem Gemeinderat samt Bürgermeister Schwierigkeiten bereitet worden, bis hin zur Androhung eines Disziplinarverfahrens, blickte der Bürgermeister zurück und meinte »das ist nicht mehr nachvollziehbar«. »Vielleicht können wir ja noch ein Preisgeld im Nachhinein erwirken, wenn die Anlage in dieser Größenordnung als Pilotprojekt in Bayern gelten würde«, ergänzte Loschert. Vor 25 Jahren startete die »unendliche Geschichte Kläranlage«, mit der sich der Gemeinderat in den vergangenen sechs Jahren intensiv beschäftigte. Am Donnerstag endete die Geschichte erfolgreich. Mit der symbolischen Schlüsselübergabe und einem Tastendruck auf dem Bildschirm des Tablet-PCs, mit dem die Anlage gesteuert wird, nahm der Bürgermeister die Anlage offiziell in Betrieb.
Bei gleichzeitig laufendem Klärbetrieb wurde die alte Anlage aus dem Jahr 1974 innerhalb eines eindreiviertel Jahres modernisiert. Durch den Einbau von Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung und Nutzung der Faulgase im angeschlossenen Blockheizkraftwerk kann die Anlage 50 bis 60 Prozent ihres eigenen Energiebedarfs decken. Die Faulgase entstehen bei der anaerober Schlammstabilisation. An sehr sonnigen Tagen kann die Anlage sogar energieautark fahren und noch Energie erzeugen, die ins Stromnetz eingespeist wird, stellte Matthias Kraft vom Planungsbüro Baur Consult fest. Damit sei die Kläranlage Steinfeld »eine der modernsten Anlagen in Bayern« sagte Kraft.
Weitere Grußworte sprach Franz Josef Sauer, Siemens, Niederlassung Würzburg, verantwortlich für den Wasser- und Abwasserbereich. Pfarrer Slawomir Olszewski segnete die neue Anlage. Die Bläsergruppe des Musikvereins Steinfeld umrahmte die Feier musikalisch.Annette Helfmann

Hintergrund: Ursprüngliche Kläranlage ist 40 Jahre alt

Die ursprüngliche Kläranlage stammte aus dem Jahr 1974 und erfüllte die rechtlichen Auflagen nicht mehr. Die Bausubstanz und Maschinentechnik war sanierungsbedürftig und die Schlammbehandlung nicht mehr ausreichend. Für 3,75 Millionen Euro wurde die Kläranlage von Juli 2012 bis März 2014, bei gleichzeitig laufendem Klärbetrieb, saniert. Zur Finanzierung der Maßnahme wurden Verbesserungsbeiträge erhoben und die Abwassergebühren erhöht. Die neue Kläranlage mit anaerober Schlammstabilisation (Schlammfaulung) wurde für eine Größenordnung von 3500 Einwohnern kalkuliert und bietet ausreichend Kapazität, um auf zukünftige Änderungen, wie strengere rechtliche Vorgaben reagieren zu können. Neu gebaut wurde ein Betriebsgebäude, ein Voreindicker als Siebtrommel und eine Kompaktanlage für die Faulung mit Blockheizkraftwerk, Gasspeicher und Faulbehälter sowie einer Photovoltaikanlage. Das alte Betriebsgebäude wurde zum Maschinengebäude umgebaut. Das alte Klärbecken wurde saniert und umgebaut. Durch die Sanierung wird die anfallende Klärschlammmenge um etwa 30 Prozent reduziert, was Kosten für die Abfuhr spart. (Annette Helfmann)